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1988-1992

Anfangsjahre

Die ersten Patienten profitierten sehr schnell von ihrem Aufenthalt im Asthmazentrum. Die raschen therapeutischen Erfolge weckten das Interesse von Fachleuten aus dem Bereich der schulischen und beruflichen Förderung. Zahlreiche prominente Besucher kamen ebenfalls in das Zentrum.
Das Jugenddorf Buchenhöhe betreute anfangs 51 Grund- und Hauptschüler, 37 Realschüler, 34 Gymnasiasten und 16 Berufsfinder. Obwohl der Winter für viele Asthmatiker eher gesundheitlich belastend ist, gab es bis zum Frühjahr 1988 bei vielen Kindern bereits erfreuliche Therapiefortschritte, so dass es möglich wurde, Sportmannschaften aufzustellen und sogar an Wettkämpfen teilzunehmen, u.a. an den regionalen CJD Schwimmmeisterschaften in Offenburg, am Fußballturnier im CJD Jugenddorf Schloss Bönnigheim und am Bundessportfest des CJD in Homburg/Saar. Ende März/Anfang April wurde erstmals das später zur Tradition werdende Schulskilager der Grund- und Hauptschulstufe in Schladming mit allen Klassen durchgeführt.
Ein Meilenstein für den Berufvorbereitenden Bereich war der Besuch einer Delegation des Landesarbeitsamtes Bayern Süd und des Arbeitsamtes Traunstein, bei dem das neuartige Konzept der vorberuflichen Förderung für chronisch kranke Jugendliche vorgestellt wurde. Daraus entstand in der Folgezeit eine effektive Partnerschaft.
Höhepunkt des Jahres 1988 war vom 24. bis 27. Juli die Feier zur öffentliche Vorstellung des CJD Jugenddorfes Buchenhöhe - Asthmazentrum. Prominente Gäste aus dem In- und Ausland nahmen daran Teil, u.a. der damalige bayerische Staatsminister für Arbeit und Sozialordnung, Dr. Gebhard Glück, Rainer Fuhrmann aus dem Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung, Landrat Martin Seidl, MdL Franz-Xaver Werkstetter, der das Projekt von Anfang an begleitet und gefördert hatte, sowie Prof. Dr. Hassan Razzouk, der Präsident der Europäischen Gesellschaft für Klimatherapie.
Bereits 1989 gab es erste strukturelle Ergänzungen im Asthmazentrum: Zehn der ursprünglich 20 für Arbeitserprobung und Berufsfindung vorgesehenen Plätze wurden für einen Förderlehrgang als weitere berufsvorbereitende Maßnahme bereitgestellt. Voraussetzung dafür war der Erwerb des unmittelbar an das Asthmazentrum angrenzenden ehemaligen Feuerwehrhauses, das als Haus Scheffau in das Jugenddorf integriert wurde. Neben zusätzlichen Wohnräumen entstand in diesem Gebäude, nach aufwendigen Renovierungs- und Umbaumaßnahmen, auch ein großer Veranstaltungssaal, der künftige Saal Scheffau. 1989 war durch weitere umfangreiche Bautätigkeit geprägt: Das große Mitarbeiterwohnhauses am Westende des Ortsteiles Buchenhöhe mit insgesamt 22 Wohnungen wurde fertiggestellt und der Bau der katholischen Franziskuskirche am östlichen Eingang des Jugenddorfes begonnen.
Auch viele pädagogische, musische und sportliche Aktivitäten prägten das Jahr. Das zweite Elternseminar führte vom 23. bis 25 Juli in den Themenbereich Asthma und Schule ein. Auf diesem gut besuchten Seminar wurde auch über die künftige Umgestaltung des Realschulzweiges diskutiert. Die staatlich genehmigte Realschule des Asthmazentrums sollte 1990 in die staatlich anerkannte CJD Realschule Königssee/Obersalzberg überführt werden, was bei einigen Eltern Anlass zur Sorge gab. Die weitere Entwicklung der Realschule sollte jedoch diese Entscheidung als richtig bestätigen.
Die schulische Förderarbeit der Grund- und Hauptschule konnte durch eine pädagogische Förderkraft effizienter und auch individueller gestaltet werden. Der neue Arbeitsbereich "Diagnostik und individuelle Förderung" ergänzte das schulische Angebot.
Neben der schon zum zweiten Male durchgeführten Skifreizeit der Grund- und Hauptschule in Schladming, sind weiterhin besonders der große Jugenddorfabend am 20. Mai und die Teilnahme zahlreicher Mannschaften des Jugenddorfs an bundesweiten Sportwettbewerben des CJD zu nennen. Ein Höhepunkt war der große Tag der offenen Tür am 24. Juni mit vielfältigem musischen Programm und dem 1. Berchtesgadener Seifenkistenrennen. Asthmatherapie und Sport erwiesen sich immer mehr als stabilisierende und aufbauende Elemente im Leben der jungen Asthmatiker und als Wegbereiter einer dauerhaft besseren Lebensqualität.
Am 1.12.89 wurde zum Beginn der Adventszeit die über längere Jahre weitergeführte Veranstaltungsreihe der "Abendgespräche" mit prominenten Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur eröffnet. Als erster Referent konnte der damalige Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, Prof. Dr. Roman Herzog gewonnen werden, der im Rahmen seines Vortrags zum Thema "Freie Initiativen im Sozialstaat" in seiner humorvollen Art das CJD nicht zu Unrecht als "karitativ-diakonische Feuerwehr" bezeichnete.
1990 lagen die Schwerpunkte auf der Erweiterung des berufsvorbereitenden Bereiches auf 30 Plätze, auf der wissenschaftlichen Arbeit und auf der Weiterentwicklung therapeutischer Angebote. Am 7. Februar informierte Dipl. Psych. Hr. Adam pädagogische Mitarbeiter und Lehrer sowohl des CJD Jugenddorfes Obersalzberg als auch des CJD Asthmazentrums zum Thema "Schulangst und Konzentrationsstörungen". Diese Fortbildungsthematik weist darauf hin, dass vor allem in der schulischen Betreuung von chronisch kranken Kindern Teilleistungsstörungen auffällig zunahmen. Der Umgang mit solchen Problemen sollte in der künftigen Entwicklung der Langzeittherapie eine wichtigere Rolle einnehmen.
Auch die Patientenschulung erlebte in diesem Jahr durch die Veröffentlichung des "Berchtesgadener Asthmaverhaltenstrainings" (BAT) einen wichtigen Entwicklungsschritt. Das Patientenschulungsprogramm entwickelte sich schnell zu einem Standard der Patientenschulung im Asthmazentrum aber auch darüber hinaus.
Am 3. April tagte die Arbeitsgemeinschaft der medizinisch-beruflichen Rehabilitationseinrichtungen im Jugenddorf Buchenhöhe und vom 6. bis 8. April der zweite internationale Asthma-Kongress zu Fragen aktueller Rehabilitationskonzepte bei chronischen Atemwegserkrankungen. Prominente Vertreter international bedeutender Asthmakliniken und Universitäten waren als Referenten geladen, u.a. Prof. Dr. Dietrich Hofmann aus Frankfurt, Prof. Dr. Hassan Razzouk aus Briancon, Prof. Dr. R. Strunk vom National Jewish Center in Denver, Prof. Dr. S. Oseid von der Universität Oslo und Dr. Josef Lecheler, ärztl. Direktor des Asthmazentrums Berchtesgaden. Im Rahmen des Kongresses wurde das u.a. von Dr. J. Lecheler herausgegebene Handbuch für Eltern, Sportlehrer und Ärzte mit dem Titel "Bewegung und Sport bei Asthma bronchiale" diskutiert, ebenso das gerade fertig entwickelte BAT. Mit diesem Kongress beginnt eine bis in die Gegenwart anhaltende Tradition wissenschaftlichen Austausches mit zahlreichen Symposien, Kongressen und Seminaren. Die Reihe der Abendgespräche wurde fortgesetzt mit General a.D. Dr. Günther Kießling zum Thema "Deutsche Frage und europäische Sicherheit" (9. März) und Prof. Bergmann aus Bonn, der am 20.11. die Rolle Gorbatschows bei der deutschen Wiedervereinigung analysierte.
1991 besuchten erneut hochrangige Referenten von März bis April das Jugenddorf Buchenhöhe. Am 1.3. referierte der polnische Parlamentspräsident Prof. Kozakiewicz über die Zukunft Polens, kurz darauf hielt der Leiter des YMCA Kairo einen Vortrag über "Probleme im nahen Osten" und schließlich wurde auf einer Tagung mit Karl von Habsburg-Lothringen und MdB Dr. Peter Ramsauer über "Industrieländer und 3. Welt: Deutschland - ein Einwanderungsland?" diskutiert.
Die internationale Beachtung des Langzeittherapiekonzeptes zur Betreuung von Asthmatikern zeigte sich im Besuch einer Delegation sowjetischer Führungskräfte aus dem Bereich der beruflichen Rehabilitation am 2. Mai.
1991 entstand eines der erfolgreichsten pädagogischen Langzeitprojekte des Asthmazentrums: der Jugendzirkus AZEBU. Der Zirkus entwicklete sich seither zu einem lebendigen Projekt. Bei zahlreichen Auftritten in ganz Deutschland und sogar im Ausland zeigten asthmakranke Kinder und Jugendliche, was sie an beeindruckenden Zirkusnummern einstudiert haben.
Eine besondere Vielfalt gab es in diesem Jahr auch im Bereich Erlebnissport. Beim Bergwandern, Klettern, Rafting und Mountainbiken konnten sich viele Kinder und Jugendliche erproben. Sogar ein Gleitschirmschnupperkurs wurde in diesem Sommer angeboten.
Die Grund- und Hauptschule unternahm erstmals Klassenfahrten mit den Asthmatikern. Die Klassen 1 bis 5 fuhren mit ihren Klassleitern nach Burghausen am Inn. Zahlreiche organisatorische Vorarbeiten waren nötig, um die erforderliche pädagogische und medizinische Betreuung sicher zu stellen.
1992 begann mit einer Tagung der Koordinatoren für die Lehrerweiterbildung in Bayern im Bereich "Deutsch für Ausländer".
Prominente Sportler besuchten im Frühjahres wiederholt das Asthmazentrum. Weltcupgewinner Armin Bittner, Goldmedaillengewinner Finn Christian Jagge und Staffelgoldmedaillengewinner Fritz Fischer zeigten sich als Stars zum Anfassen und verbrachten ihre Zeit mit den Kindern und Jugendlichen.
Zur Osterzeit konnte eine Kajak-, Rad- und Wanderfreizeit unter Führung von Hausleiter Christoph Cramme angeboten werden, Mitte März führte die Grund- und Hauptschule das mittlerweile schon traditonelle Skilager unter frühlingshaften Bedingungen durch.
Im Juli wurde die Franziskuskirche vor dem Jugenddorfeingang durch Kardinal Dr. Wetter eingeweiht und hat seither ihren festen Platz im religiösen Leben des Jugenddorfes. Im selben Monat wurde der bisherige Verwaltungsleiter Herr E. Apel verabschiedet und sein Nachfolger, Herr Hager in das Amt eingeführt. Das Schuljahr fand einen vorgezogenen Abschluss im großen Sommerfest am 11. Juli, das mit Spielstraße, kulinarischen Köstlichkeiten in den Internatshäusern, einem musischen Programm auf dem Schulhof bei gutem Wetter bis spät in die Nacht dauerte.
Zum Beginn des neuen Schuljahres im September wechselte die Führungsspitze des Jugenddorfes Buchenhöhe. Der bisherige Jugenddorfleiter Dr. Uwe Bach wechselte in die Leitung eines anderen CJD-Jugenddorfes, neuer Jugenddorfleiter wurde der bisherige ärztliche Direktor Dr. Josef Lecheler. Auch die Grund- und Hauptschule kam zu Beginn des Schuljahres unter neue Führung. Der bisherige Schulleiter, Wolf-Dieter Förster kehrte zunächst in den gymnasialen Schuldienst zurück, um später die Leitung der Kinderpflegeschule in der Insula zu übernehmen. Die Schulleitung übernahm der bisherige Stellvertreter Anton Kaunzner. Neuer stellv. Schulleiter wurde SoKR Hans Merwart.
Im November erhielt die Schule die staatliche Anerkennung durch das Bayerische Kultusministerium, womit die erfolgreiche schulische Arbeit der Anfangsjahre gewürdigt wurde. Dass bedeutete für die Zukunft, dass die Schule ihre Abschlussprüfungen selbständig abhalten konnte und die Kinder nicht mehr an die Berchtesgadener Schulen als externe Prüflinge geschickt werden mussten.
Im Dezember veranstaltete die Grund- und Hauptschulstufe ein erstes Hallenfussballturnier mit Mannschaften aus Berchtesgaden, Bischofswiesen und der Realschule Königssee.